Bei Aperam gibt es neue Kombinationen von Sorten, Abmessungen und Oberflächen. Das Oberflächen-Know-how ist in Sersheim gebündelt. Im dortigen Service Center werden neben Standard- auch Sonderausführungen hergestellt. Auch die Experten für spezielle Architekturoberflächen sind an diesem Standort angesiedelt.
Nichtrostender Stahl definiert sich über seine Oberfläche. Ohne seine werkstoffspezifische Passivschicht wäre Edelstahl nicht rostfrei. Sie besteht aus einem komplexen, chromreichen Oxid, dessen Dicke in atomaren Größenordnungen liegt. Damit unterscheidet sie sich von aufgetragenen Deckschichten wie galvanischen Überzügen oder Beschichtungen, die um ein Vielfaches dicker sind und sich zumeist im Bereich von einigen Zehntel- bis hundertstel Millimetern bewegen.
Wird die Passivschicht abgetragen, etwa durch Bearbeitung oder Beschädigung, bildet sie sich in Anwesenheit von Sauerstoff spontan wieder neu und schirmt den Grundwerkstoff gegen Korrosionsangriffe von außen ab.

Die leicht milchig glänzende Oberfläche 2B gehört zu den meistnachgefragten Ausführungen. Sie entsteht im Zuge des Kaltwalzens durch Wärmebehandlung, anschließendes Beizen und leichtes Nachwalzen.
Da sie das Ergebnis eines kontinuierlichen großtechnischen Prozesses ist, stellt sie als endfertige werksseitige Oberfläche eine besonders wirtschaftliche Lösung dar. Oft dient sie aber als Ausgangszustand für eine weitere Oberflächenveredelung.
Grobblech: 15 mm und 2B
In der Kombinierbarkeit von Werkstoffen, Abmessungen und Oberflächenausführungen hat Aperam die Grenzen verschoben, bei Grobblechen nach oben, bei nichtrostenden Duplex-Stählen nach unten.
Aperams Grobbleche sind in den Werkstoffen 304L, 316L und 316A nun auch in Dicken bis 15 mm erhältlich. Dabei handelt es sich um sogenanntes CMP-Material. Dieses Kürzel steht für coil-milled plate. Die Bleche werden nicht stückweise einzeln hergestellt, sondern als Coil über das Stranggussverfahren kontinuierlich abgegossen, gewalzt und dann zu Blechen abgelängt. Diese Arbeitsweise ist besonders flexibel und zeitökonomisch.
Nach dem Richten stehen dann Grobbleche zur Verfügung, deren Oberflächenrauheit so gering ist, dass sie selbst lebensmitteltechnischen Hygieneanforderungen entspricht.
CMP-Bleche sollen künftig auch für kleinere Abnahmemengen und den spontanen Bedarf verfügbar sein. Am Aperam-Standort in Genk, Belgien befindet sich ein Lager für Bleche im oberen Abmessungsbereich im Aufbau.
DX2101: 0,5 mm und 2E
Der verbreitete Lean-Duplex-Stahl DX2101, also der Werkstoff EN 1.4162, ist bei Aperam in Dicken bis hinunter zu 0,5 mm marktverfügbar. Mit dieser Abmessung eröffnen sich dem Magerduplex neue Anwendungen, in denen er seine einzigartige Kombination von hoher Festigkeit, hervorragender Korrosionsbeständigkeit und Wirtschaftlichkeit optimal ausspielen kann.
Die Ausführung 2E, wärmebehandelt und mechanisch entzundert, ist hier der Standard. Sie ist das Resultat einer mechanischen Oberflächenbehandlung, die den Walzzunder abträgt. Im Vergleich zur Ausführung 2B ist sie matter und rauer.
316A: Standard-Oberflächen – revolutionäre Legierung
Aperam 316A, die herstellerspezifische Sorte EN 1.4682, ist inzwischen bei namhaften Verarbeitern als Alternative zur klassischen Sorte 1.4404 etabliert. Der typische Molybdängehalt dieses Werkstoffs liegt bei nur 0,50 % – bei der Vergleichssorte Aperam 1.4404 sind es 2,10 %. Auch der Nickelgehalt unterscheidet sich zwischen den beiden Sorten um 0,60 Prozentpunkte. Gegenüber der Sorte 1.4404 liegt der Preisvorteil im zweistelligen Prozentbereich.
Ein Legierungszusatz von einem Prozent Silizium sowie 0,065 % Stickstoff sorgen gleichwohl dafür, dass der Werkstoff in seinen Eigenschaften mit dem Klassiker 316L, EN 1.4404, gleichzieht. Die gesammelten Praxiserfahrungen bestätigen, was bereits die Laborergebnisse bei den Kennwerten für Korrosionsbeständigkeit, Umformbarkeit und Schweißbarkeit erwarten ließen. Der Stahl 316A ist eine Plug-and-play-Lösung, Änderungen der Verarbeitungsparameter sind nur im üblichen Rahmen erforderlich.
Kosten reduziert – und auch CO2
Auch die Umweltbilanz der Sorte 316A ist günstiger als die von 316L. Denn die Gewinnung von Nickel und Molybdän ist energieintensiv. Ein verringerter Gehalt an diesen Legierungsmetallen führt automatisch auch zu einem kleineren Kohlenstoff-Fußabdruck.
Darin liegt ein weiterer Wettbewerbsvorteil von Aperam 316A. Bereits heute geben Großkunden in ihren Angebotsanfragen Maximalwerte für das CO2-Äquivalent des Werkstoffs vor.
Normativ ist Aperams innovativer und exklusiver Kostenkiller gut aufgestellt. Im Bereich Heizung-Sanitär-Klima ist die Sorte 316A bereits umfassend zertifiziert, ebenso für Abgasleitungen. Im Bauwesen ist dieser Werkstoff bereits bei Mauerwerksbefestigungen präsent. Für tragende Anwendungen im Stahl- und Metallbau ist die Aufnahme in den Eurocode 3 von zentraler Bedeutung. Sie wird für Ende 2026 erwartet.
In Sersheim ist diese Legierung inzwischen auch für kleinere Auftragsmengen ab Lager verfügbar. Damit erschließt das Unternehmen auch mittelständischen Verarbeitern die Vorteile dieser Sorte.
Oberflächen made in Sersheim
Die Oberflächentechnik von Aperam Stainless Services and Solutions Germany ist am Standort Sersheim angesiedelt. Dort stehen eine Coilschleifanlage sowie eine hochmoderne Querteilanlage mit Schleifeinheit zur Verfügung. Sie erzeugen auch Aperams Duplo-Oberfläche, eine Kombination aus Schleifen und Bürsten. Die Infrastruktur ist darauf eingerichtet, auch kundenspezifische Sonderschliffe darzustellen. Sie lassen sich auch kurzfristig nachproduzieren und liefern. In den letzten Jahren floss ein zweistelliger Millionenbetrag in das Service Center Sersheim. Er diente der technischen Aufrüstung ebenso wie der Kapazitätserweiterung.
Nordeuropa abgedeckt
Die größte Position war eine neue Längsteilanlage. Sie war erforderlich geworden, weil das Service Center Sersheim nicht nur Deutschland, sondern das gesamte Nordeuropa mit Spaltband bedient.
Die Anlage teilt Coils in bis zu 35 Spaltbänder, und das in einer Geschwindigkeit von 300 m pro Minute. Die Endbreiten reichen von 20 bis 1.500 mm. Die Messerkonfiguration für den jeweiligen Durchlauf übernimmt ein Roboter schnell und zuverlässig. Auch die Arbeitssicherheit profitiert von der Automatisierung.
Von der Bearbeitung der Auftragsdaten bis hin zur Verpackung sind die Prozesse vollständig digitalisiert. Eine ausgeklügelte Sensorik erfasst die genauen Dicken- und Breitenwerte in Echtzeit während des Durchlaufs. Die Messergebnisse stehen anschließend dem Kunden zur Verfügung, der sich somit von der Einhaltung der vereinbarten Toleranzen überzeugen kann. Mit der Sersheimer Anlagenkonfiguration ist Aperam darauf eingestellt, den sich wandelnden Anforderungen der Abnehmer anzupassen.
Ästhetik pur, aber nicht nur
Das Service Center Sersheim ist auch das Tor zur Welt der speziellen Architektur-Oberflächen von Aperam. Sie laufen unter dem Markennamen Uginox. Musterwalzungen mit Rauten-, Karo-, Leder- und anderen Motiven gehören ebenso zum Uginox-Angebot wie mechanisch spiegelpolierte.
Auch farbige Oberflächen sind im Programm. Dabei besteht die Wahl zwischen elektrochemisch gefärbten und PVD-beschichteten Blechen. Letztere sind mechanisch besonders robust und eignen sich besonders für stark beanspruchte Teile, zum Beispiel in Aufzugskabinen.
In Sersheim ist auch das Kompetenzteam für Aperams spezielle Bedachungsoberflächen angesiedelt. Die zinnbeschichteten ferritischen Bleche, bekannt als Uginox Patina, haben eine Historie, die bis in die Mitte der 1970er Jahre zurückreicht. Wie es ihr Produktname ausdrückt, entwickeln sie im Laufe der Zeit eine dekorative Patina. Dadurch sind sie auch für Anwendungen im Denkmalschutz prädestiniert.
Uginox Top bezeichnet die austenitischen Bedachungsbleche. Eine äußerst feine Musterwalzung verleiht ihnen einen edelmatten Glanz. Diese Ausführung optimiert die Reflexionseigenschaften im Hinblick auf Blendschutz und Wärmereflexion. Gleichzeitig ermöglicht sie eine wirksame Selbstreinigung der Dachoberfläche durch Regenwasser.
Aperam hat in jüngster Zeit seine interne Vertriebsorganisation verstärkt darauf ausgerichtet, Kunden alle Produkte der unterschiedlichen Unternehmensbereiche über ihren vertrauten Ansprechpunkt zugänglich zu machen. Und so reicht, auch wenn es um das Thema Oberflächen geht, die Beratungskompetenz des Teams in die Tiefe.


