Beinahe unterhaltsam, wäre es nicht so ernst
Wurde von Alan Greenspan, dem früheren Notenbankpräsidenten der USA, behauptet, Aktien- und Devisenmärkte würden sich bewegen, wenn dieser hustet, gilt für Donald Trump noch einmal eine ganz andere Eskalationsstufe. Auch wenn vermutlich schon ein Flüstern oder eine Andeutung auf der Social Media Plattform „Truth Social“ reichen würde, geht es immer in die Vollen. Selbst wenn inzwischen die Belastbarkeit der Aussagen mitunter in der eigenen Administration unklar sind und diskutiert werden müssen, schickt der US-Präsident beinahe jeden Tag Märkte gnadenlos in die eine oder andere Richtung.
Das ist ein besonderes, neues und sicher auch disruptives Politik-Modell, insbesondere, wenn es gerüchteweise auch mit finanziellen Interessen im engeren oder weiteren Dunstkreis verbunden sein könnte. Es könnte sich aber auch um Fake News der Opposition und der mit diesen verbundenen Medien handeln. Was der über lange Zeit naive Autor, nun im fortgeschrittenen Alter, in den letzten Jahren bezüglich der Vereinigten Staaten von Amerika, deren Selbstverständnis und „Ticken“ noch neu lernen durfte, ist beträchtlich, aber nicht unbedingt nur positiv. Auf jeden Fall ist es so, dass in USA die Goldwaage bezüglich Worten und Aussagen definitiv anders geeicht ist als im alten Europa. Fast alles im politischen Raum ist PR oder Verhandlungstaktik und daher sind Wahrheiten nicht absolut, sondern alternativ.
Wären die Folgen nicht so weitreichend, mitunter sogar tödlich, müsste man der gegenwärtigen Situation auch ganz offiziell einen hohen Unterhaltungswert beimessen. Die hohe Frequenz der Berichterstattung der Medien in beinahe jedem Winkel der Welt beweisen das. Und darüber hinaus, bewegt immer noch jede Aussage die Finanzmärkte in einer faszinierenden Weise, was definitiv die noch immer faktische, politische und militärische Machtposition der Vereinigten Staaten von Amerika belegt. Würde sich ein Kleinstaat und dessen Regierung so verhalten und äußern, wäre es vermutlich nicht einmal den eigenen Lokalnachrichten eine Schlagzeile wert. Wäre hingegen die Präsidentschaft von Donald Trump im Übrigen nur eine Fiktion, hätte diese als Serie in Netflix vermutlich (auch) ein Milliardenpublikum, allerdings ein freiwilliges.
Seit dem Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den USA und Israel gegen den Iran am 28. Februar 2026 handelt der Preis für das für die Batterie- und Edelstahl-Produktion wichtige Industriemetall Nickel in einem erstaunlich engen Band. Der Kurs an der London Metal Exchange (LME) lag zwischen 16.400 US$/t auf der Unterseite und etwas über 18.000 US$/t am oberen Rand. Bei den wirtschaftlichen Unsicherheiten und befürchteten Nachfrageeffekten ist das beachtlich und zeigt die gute fundamentale Unterstützung der Notierungen.
Unterstützt durch den gegenwärtigen Waffenstillstand und die damit verbundene Hoffnung auf eine Beendigung des Krieges auf dem Verhandlungsweg, nimmt der Markt gerade erneut die Oberseite ins Visier. Bei Redaktionsschluss betrug der Preis für den 3-Monats-Future rund 18.300 US$/t. Für den Aufschwung spielt aber sicher auch eine Rolle, dass sich der US$ gegenüber dem Euro, aufgrund des Wechsels in Ungarn von Orban zu Magyar, aber auch zu anderen wichtigen Währungen abgeschwächt hat. Und nicht zuletzt spielt eine Rolle, dass China laut einem Bericht über einen Stopp der Schwefelsäureausfuhren ab Mai nachdenkt (siehe hierzu auch unten).
Was allerdings die Zunft der Analysten – für den zukünftigen Nickel-Preis der Jahre 2026 und 2027 – angeht, scheint deren Ratlosigkeit, ebenso wie deren Beredtheit groß zu sein. Da werden mal eben die Vorhersagen von November 2025 um knapp 2.000 US$/t nach oben revidiert, zum Beispiel von 15.300 US$/t auf 17.750 US$/t für 2026 und für das Folgejahr von 16.125 US$/t auf 17.278 US$/t, frei nach dem Motto, wie ein Kollege schrieb: „Ich nehme den Kurs von heute plus/minus 500 US$/t.“ Natürlich können die Prognostiker die Revision auch inhaltlich begründen.


