Zirkel Technologies GmbH: Digitalisierung im Edelstahl-Handel

Die Zirkel Technologies GmbH ist ein IT-Beratungs- und Engineering-Unternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt am Main und über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Europa und Indien. Zirkel Technologies implementiert und integriert Enterprise-Plattformen wie SAP, Salesforce sowie Microsoft Dynamics 365 und entwickelt maßgeschneiderte Softwarelösungen – konzentriert auf den DACH-Mittelstand.

Kapil Gupta, CEO und Gründer von Zirkel Technologies, stammt aus einer Familie, die seit über 40 Jahren im Stahlhandel in Indien aktiv ist und später in die Bereiche Stahl- und Leitungsbau expandierte: „Ich verstehe die Komplexität des Stahlgeschäfts – und der Edelstahl-Handel bringt diese Komplexität auf ein noch höheres Niveau; volatile Legierungszuschläge, anspruchsvolle Werkstoffgüten, regulierte Endkundenindustrien. Genau das reizt uns, weil hier Standard-IT-Lösungen am schnellsten an ihre Grenzen stoßen.“

Die Grundmechanik des Stahlhandels kennt Gupta aus dem Familiengeschäft. Der Edelstahl-Bereich addiert spezifische Schichten: Die Preisbildung sei dynamischer, erklärt er, weil Legierungszuschläge an Nickel-, Chrom- und Molybdännotierungen gekoppelt sind und sich monatlich ändern. Die Materialvielfalt ist größer – austenitische, ferritische, martensitische und Duplex-Güten mit unterschiedlichen Oberflächen und Normen. „Und Endkunden in Pharma, Food und Chemie stellen Anforderungen an Rückverfolgbarkeit und Zertifizierung, die weit über das hinausgehen, was im Kohlenstoffstahlhandel üblich ist“, weiß der CEO, „dieses Verständnis fließt direkt in die Systemkonfiguration ein. Wir sprechen mit Edelstahl-Händlern nicht erst über Grundlagen, sondern über die konkreten Anforderungen: Wie bildet das ERP Legierungszuschläge tagesaktuell ab? Wie werden ASTM- und EN-Normen parallel geführt? Wie läuft die Chargenverfolgung für eine FDA-konforme Lieferkette?“

ERP-Anforderungen im Edelstahl-Handel
Legierungszuschläge, Werkstoffnormen (EN, ASTM, JIS), Oberflächenspezifikationen, kundenspezifische Zuschnitte – gefragt danach, welche Anforderungen ein ERP-System im Edelstahl-Handel zwingend erfüllen muss, antwortet Gupta: Sechs Bereiche sind entscheidend: Erstens eine dynamische Legierungszuschlagsberechnung, die an Marktnotierungen gekoppelt ist und zwischen Bestellzeitpunkt und Lieferzeitpunkt differenzieren kann. Zweitens Multi-Norm-Fähigkeit – ein Material kann gleichzeitig als 1.4301, 304 (ASTM) und SUS 304 (JIS) geführt werden müssen, mit Querverweis im Materialstamm. Drittens Oberflächen- und Formatverwaltung – 2B, BA, geschliffen, poliert, jeweils mit eigenen Preisaufschlägen. Viertens durchgängige Chargenverfolgung mit Werkszeugnissen nach EN 10204 3.1/3.2 und gegebenenfalls NACE-, PED- oder FDA-konformer Dokumentation. Fünftens integrierte Anarbeitungssteuerung für Zuschnitt, Kantenbearbeitung und Längsschnitt mit Materialverlust- und Reststückverwaltung. Sechstens Multi-Währungs- und Multi-Standort-Fähigkeit, da Edelstahl international beschafft wird.“

Rückverfolgbarkeit und Compliance
Edelstahl landet in hochregulierten Anwendungen, etwa in Lebensmittelindustrie, Pharma, Medizintechnik, Offshore. Lösungen von Zirkel Technologies unterstützen die lückenlose Dokumentation entlang der Lieferkette. „Rückverfolgbarkeit ist im Edelstahl-Handel kein nettes Zusatzfeature, sondern Geschäftsvoraussetzung“, so Gupta, „wenn ein Pharma-Kunde ein Rohr aus 1.4404 bestellt, muss er lückenlos nachweisen können, aus welcher Schmelze es stammt, welche Prüfungen durchlaufen wurden und wer es wann bearbeitet hat. Wir konfigurieren ERP-Systeme so, dass die Chargennummer vom Wareneingang über jede Anarbeitungsstufe bis zur Auslieferung mitgeführt wird, und zwar inklusive automatischer Zuordnung von Werkszeugnissen nach EN 10204, Dokumentation von Prüfungen und Freigaben, und digitalem Zeugnisversand an den Kunden. Bei Splitting-Vorgängen, wenn ein Coil in Bleche oder ein Stab in Zuschnitte geteilt wird, bleibt die Rückverfolgbarkeit über Chargen-Vererbung durchgängig erhalten. Für branchenspezifische Anforderungen wie NACE MR0175, PED 2014/68/EU oder FDA-Konformität passen wir die Dokumentationslogik gezielt an.“

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