Die indische Venus Pipes and Tubes Ltd. gab erst kürzlich bekannt, im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Rekordumsatz und ein Rekord-EBITDA erwirtschaftet zu haben. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr offenbar um 16 % auf 320,5 Crore INR (28,9 Mio Euro), das EBITDA um 14,7 % auf 51,5 Crore INR (4,7 Mio Euro). Die Aktie legte um
1 % zu und notierte damit deutlich über ihrem 52-Wochen-Tief, aber weiterhin unter ihrem Höchststand.
Im Rahmen der Veröffentlichung gab Venus Pipes and Tubes an, dass die Nachfrage in wichtigen Endmärkten wie Öl und Gas, Chemie, Energie und Maschinenbau weiterhin hoch sei. Die Ergebnisse des Unternehmens im ersten Quartal spiegelten sowohl höhere Absatzmengen als auch bessere Erlöse wider, was durch gestiegene Stahlpreise begünstigt wurde. Das durchschnittliche Absatzmengenwachstum lag im Quartal bei über 7 %. Das Unternehmen gab außerdem bekannt, dass das Geschäft mit geschweißten Rohren im Quartal schneller wuchs als das mit nahtlosen Rohren. Der Umsatz mit geschweißten Rohren stieg im Vergleich zum Vorjahr um 21 %, der Umsatz mit nahtlosen Rohren um 15 %. Das Management erklärte, die Veränderung sei teilweise auf die hohe Auslastung bei nahtlosen Rohren und den Zeitpunkt der geplanten Kapazitätserweiterungen 2026 zurückzuführen.

Das Quartal markierte außerdem einen weiteren Schritt im Bestreben des Unternehmens, eine breitere Plattform für Edelstahl-Engineering aufzubauen, hieß es weiter. Die Strategie sehe vor, über Rohre hinaus auch Fittings und Spooling anzubieten, und zwar mit der Zielsetzung, Komplettanbieter zu werden.
Venus Pipes and Tubes blieb in den letzten zwölf Monaten profitabel und erzielte trotz des schwierigen Exportumfelds ein stabiles Ergebnis. Der Anteil nahtloser Rohre am Umsatz lag bei 55 %, geschweißte Rohre machten 39 % des Umsatzes aus und sonstige Produkte etwa 6 %.
Unterdessen zeigte das Quartal eine solide operative Dynamik. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 16 %, das EBITDA um 14,7 %. Dies deutet darauf hin, dass Venus Pipes and Tubes trotz eines uneinheitlichen Exportumfelds und laufender Investitionen in neue Kapazitäten weiter expandierte. Derweil blieb die Margenentwicklung stabil.
Ausblick & Prognose
Das Management bestätigte seine Umsatzwachstumsprognose von 20 % für das Geschäftsjahr 2027, was auf Basis des Geschäftsjahres 2026 einem Umsatz von rund 14 Mrd INR (126,3 Mio Euo) entspricht. Es geht außerdem davon aus, dass das Mengenwachstum nach Berücksichtigung der Stahlpreisinflation von etwa 5 % bis 6 % über 15 % liegen wird. Das Unternehmen erwartet, dass die EBITDA-Marge im Geschäftsjahr 2027 mindestens 17 % erreichen und im Geschäftsjahr 2028 auf 18 % steigen wird. Langfristig strebt das Management Margen von 18 % bis 19 % an, sobald die Produktion von Erzeugnissen mit höherer Wertschöpfung an Bedeutung gewinnt. Mehrere Projekte sollen diese Prognose stützen:
- Die Produktion von Rohrzubehör (Fittings) und Mehrwertprodukten begann im Mai 2026 und wird voraussichtlich im Geschäftsjahr 2027 5 % bis 7 % und im Geschäftsjahr 2028 8 % bis 10 % zum Umsatz beitragen.
- Die Spooling-Aktivität, die durch einen Investitionsplan von 700 Mio INR (6,3 Mio Euro) und eine Absichtserklärung eines Rechenzentrumskunden unterstützt wird, soll bis Ende des dritten Quartals des Geschäftsjahres 2027 starten.
- Das Unternehmen gab an, dass Spooling im Geschäftsjahr 2027 etwa 5 % und im Geschäftsjahr 2028 10 % bis 15 % zum Umsatz beitragen könnte.
- Die gesamten Investitionsausgaben für das Geschäftsjahr 2027 sind auf 1 bis 1,1 Mrd INR (rund 9 Mio Euro) angesetzt.
Venus Tubes and Pipes äußerte außerdem, dass sich die Exporterlöse im Laufe des Jahres verbessern dürften, wobei im zweiten Quartal nur eine moderate Erholung und im dritten und vierten Quartal mit einer stärkeren Verbesserung zu rechnen sei, sobald sich die geopolitische Lage stabilisiert habe: „Wir sind mit einem soliden Umsatzwachstum und einem Rekord-EBITDA im ersten Quartal stark in das Geschäftsjahr 2027 gestartet“, sagte Finanzvorstand Kunal Bubna. Er fügte hinzu, dass das wachsende Produktportfolio des Unternehmens vielfältige Wachstumschancen biete. Geschäftsführer Arun Kothari erklärte, das Unternehmen gestalte die nächste Wachstumsphase, indem es eine umfassende Plattform für die Edelstahl-Verarbeitung mit größerer Reichweite und engeren Kundenbeziehungen schaffe. Zu den Margen sagte Bubna: „Für das Geschäftsjahr 2027 sollte die Marge definitiv nicht unter 17 % liegen.“ Kothari ergänzte, das Unternehmen erwarte in den nächsten Quartalen eine sehr deutliche Verbesserung des Ergebnisses, da mehr Produkte mit höherer Wertschöpfung verkauft und im eigenen Haus verbraucht würden.
Aktuelle Risiken und Herausforderungen formulierte Venus Tubes and Pipes wie folgt:
- Schwäche im Export – Exporterlöse sanken im Jahresvergleich. Das Management führte dies auf geopolitische Unsicherheiten, Probleme mit Containern und die Reduzierung der EU-Schutzquoten zurück.
- Margendruck – Die EBITDA-Marge stagnierte, was zeigt, dass sich das Umsatzwachstum noch nicht in einer höheren Profitabilität niederschlägt.
- Betriebskapital und Verschuldung – Die Nettoverschuldung von rund 325 Crore INR (29,3 Mio Euro) deutet darauf hin, dass der Expansionszyklus weiterhin durch Fremdkapital finanziert wird.
- Ausführungsrisiko – Fittings und Spooling hängen von Kundengenehmigungen, Zertifizierungen und dem Zeitpunkt des Produktionshochlaufs ab.
- Wettbewerbsdruck – Das Management gab an, dass der Wettbewerb zunimmt, auch wenn es bisher noch nicht zu größeren Preisunterbietungen gekommen sei.
Danach gefragt, ob Venus Tubes and Pipes das eigene Wachstumsziel von 20 % halten könne, wie schnell die Margen steigen würden und wann das Spooling einen signifikanten Beitrag leisten würde, antwortete die Geschäftsführung, dass die Auslastung bei nahtlosen Rohren bei etwa 85 % bis 90 % und bei geschweißten Rohren bei über 60 % liege. Die Ende Mai hinzugekommenen neuen Kapazitäten für nahtlose Rohre würden in den kommenden Quartalen einen größeren Beitrag leisten.
Mit Blick auf den Auftragsbestand, der für Rohre und Fittings auf über 600 Crore INR (54,1 Mio Euro) zulegte, gab das Management an, das der Anstieg hauptsächlich aus den Bereichen Energietechnik, Chemie sowie Öl und Gas stamme, wobei Exporte über 40 % des Auftragsbestands ausmachten. Bezüglich des Spoolings hieß es, dass der Absichtserklärung eines Rechenzentrumskunden über 185 Crore INR (16,7 Mio Euro) nach der Einrichtung und Genehmigung der Anlage weitere Aufträge folgen könnten. Das Unternehmen führte die Chancen im Rechenzentrumssektor auf den rasanten Ausbau der Kühlinfrastruktur in Indien zurück. Man erwartet zusätzliche Nachfrage aus den Bereichen Solarenergie, Halbleiter, CNG-Tankstellen und Kernenergie. Es wurde auch das langfristige Ziel des Unternehmens angesprochen, den Umsatz bis zum Geschäftsjahr 2029/30 zu verdoppeln. Die Geschäftsführung betonte, dass man sich weiterhin primär auf Margenverbesserung und nicht nur auf Umsatzwachstum konzentriere und dass sich der Geschäftsmix mit zunehmender Skalierung der Produktion von Fittings und Spooling verbessern werde.


