LME-Nickel-Preis als Referenz rehabilitiert
Klimaschutz braucht offene und faire Märkte

LME Nickel reflektiert den Markt, aber natürlich nicht immer
Auch wenn immer wieder pauschal behauptet wird, der Nickel-Kontrakt an der London Metal Exchange (LME) spiegele nicht die Marktverhältnisse wider, ist derzeit aus hiesiger Sicht eine Übereinstimmung von Preisentwicklung und -niveau mit der fundamentalen Lage und den weiteren Parametern festzustellen. Es war auch in der Vergangenheit und eigentlich in allen (Börsen)-Märkten noch nie so, dass in jeder Phase nur die Fundamentaldaten, also Angebot und Nachfrage, für die Preisbildung verantwortlich waren. Insofern kam es immer schon zu Verwerfungen spekulativer Natur, die sich aber jeweils nach einer gewissen Zeit durch Arbitrage und das Marktgeschehen wieder bereinigt haben.

Mithin scheint daher neben viel berechtigter Kritik an der LME bezüglich der Ereignisse im März 2022, nicht selten auch der Wunsch hinsichtlich einer „passenden“ und opportunen Preisbildung Mutter oder Vater mancher Gedanken. Zuletzt gab die LME eine Kooperation mit der Shanghai Futures Exchange (SHFE) hinsichtlich Produktentwicklung bekannt. Insofern wird klar, dass es hinsichtlich Sicherung der Liquidität in bestimmten Futures, zum Beispiel Nickel, weniger auf einen Wettbewerb zwischen den Börsenplätzen als mehr auf eine sinnvolle, komplementäre Ergänzung und Zusammenarbeit ankommt.

Der Autor bleibt an dieser Stelle dabei, dass eine international anerkannte Preisreferenz für Nickel erforderlich und sinnvoll ist und dass der LME-Nickel-Future bei allen notwendigen Verbesserungen und Sicherheitsmaßnahmen noch immer die beste bestehende Alternative ist und sich deshalb auch wieder durchsetzen wird. Übereinstimmend berichtete Fastmarkets, dass sich chinesische Rohstoffeinkäufer von Nickel hinsichtlich der vertraglichen Preismechanismen wieder verstärkt in Richtung LME-Nickel-Preis orientieren. Und ebenso war aus Marktkreisen zu vernehmen, dass die mitunter ganz erheblichen Abschläge für nicht börsenfähige Nickel-Qualitäten nicht als nachhaltig angesehen werden.

Verwerfungen, mithin die Abweichungen von einem fairen Preis, fanden natürlich nicht nur auf der Preisoberseite statt, sondern ein Überschießen war historisch sowohl nach oben, aber auch nach unten festzustellen. Fairerweise muss man hinzufügen, dass anders als beispielsweise bei Strom, der nicht gelagert werden kann, ein negativer Preis für Nickel nicht vorstellbar ist. Wen das näher – auch in der wissenschaftlichen Herleitung und mikroökomischen Untersuchung – interessiert, dem sei noch einmal ein Blick in die Studie „Nickelmarkt – Spielfeld der Spekulanten oder fundamental getrieben?“ von Prof. Dr. Peter Posch empfohlen, die Oryx Stainless bereits 2011 in Auftrag gegeben hat.

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