Rohstoffe können das Klima retten und bedrohen

Der Hochsommer in Deutschland war nicht nur wetterseitig eine Enttäuschung, auch kommt die Wirtschaft national wie global noch nicht richtig in Trab. Immerhin steigen jetzt wieder die zuvor herbstlichen Temperaturen. Während die Währungshüter zur intensiven Inflationsbekämpfung, zunächst in USA und dann auch in Europa, kräftig und kontinuierlich die Zinsschraube nach oben gedreht haben, lässt auch die eigentlich erwartete, deutliche Erholung in China nach dem Ende der rigiden Coronamaßnahmen weiter auf sich warten. Wenn diese denn überhaupt noch kommt. Der Kapitalmarkt scheint inzwischen auch an der mittel- bis langfristig eher fragwürdigen Formel „Bad News is Good News“ für China zu zweifeln. Denn die erhofften, wesentlichen Stützungsmaßnahmen durch die Regierung bleiben bislang aus.

So ist es in dieser komplexen Gemengelage aus erheblichen, monetären und geopolitischen Herausforderungen, fehlender Klarheit und Zuversicht, verbunden mit der üblichen sommerlichen, konjunkturellen Abkühlung nicht verwunderlich, dass das dritte Geschäftsquartal in vielen Sektoren der Industrie eher nicht als ein historisches Rekordquartal bezeichnet werden wird. Von denen waren, für die Stahlindustrie erfreulich, gerade in den Geschäftsjahren 2021 und 2022 einige zu beobachten. Die Party ist erst einmal vorüber, wobei auf die Konsolidierung, welche schon längst im Gange ist, in aller Regel eine Normalisierung folgt.

So hat sich die Nickel-Notierung an der London Metal Exchange (LME), der von manchen Marktteilnehmern nach wie vor der Status einer universellen Referenz für Nickel-Rohstoffe (trotz bestehender Abschläge und Prämien zur Reflektion individueller Angebots- und Nachfrageverhältnisse sowie unterschiedlicher Güten) abgesprochen wird, im Laufe des Monats von 22.500 US$/t auf bis zu knapp über 20.000 US$/t reduziert. Ob bei sinkenden Preisen die Stimmen der LME-Zweifler zum Schweigen kommen, ist schwer zu sagen, aber nicht ausgeschlossen. Denn im Kern geht es den Kritikern vor allem darum, möglichst wenig für die Rohstoffe zu bezahlen. Das gilt allerdings nicht für die eigene Verkaufsseite, da darf der Preis auch gerne höher sein. Insgesamt ökonomisch nachvollziehbare, aber nicht immer sachlich richtige Gedanken.

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